Wartung, Stau und Co.

Warum sind Straßentunnel manchmal gesperrt?

Ob zur Reinigung oder für Bauarbeiten: Damit Tunnel sicher bleiben, sind sie manchmal gesperrt. Steffen Meier von der Autobahn GmbH erläutert, was bei Sperrungen passiert.

26.08.2024
5 min Lesedauer

Straßentunnel, etwa auf Autobahnen, werden aus verschiedenen Gründen gesperrt: bei Unfällen, für Wartungsarbeiten oder für Sanierungen. Wie komplex und umfangreich diese Maßnahmen sind, erläutert Steffen Meier. Er ist Leiter des Geschäftsbereichs Tunnel und Telematik in der Außenstelle Erfurt der Autobahn GmbH.

Herr Meier, Sie sind für 42 Kilometer Straßentunnel zuständig. Dazu gehört auch der Rennsteigtunnel, der längste Straßentunnel Deutschlands. Warum sperrt man Straßentunnel, zum Beispiel auf der Autobahn?

Tunnel sollten möglichst immer geöffnet sein, damit der Verkehr ungehindert fließen kann. Sperrungen lassen sich jedoch nicht immer vermeiden. Insbesondere bei Bränden und Unfällen muss der Tunnel gesperrt werden, um Folgeunfälle zu vermeiden und den Einsatzdiensten die Rettung und Brandbekämpfung zu ermöglichen. Aber auch die Tunneltechnik und das Tunnelbauwerk müssen regelmäßig gereinigt, geprüft und instandgesetzt werden.

Sie sind nun seit 24 Jahren im Tunnelbereich tätig. Wie haben sich die Sicherheitsmaßnahmen im Laufe der Zeit verändert?

Ein Mann im schwarzen Anzug steht da und lächelt in die Kamera. Es ist Steffen Meier.

Früher haben wir die Tunnel unter halbseitiger Sperrung gewartet. Das heißt, wir haben einen Fahrstreifen gesperrt und den Verkehr über den verbleibenden Fahrstreifen laufen lassen. Das hat sich aber mit der Zeit als zu unsicher erwiesen. Inzwischen gibt es neue Arbeitsschutz- und Arbeitsrechtsvorschriften. Dadurch haben sich die Sicherheits- und Mindestabstände für die Arbeit mit Personal im Tunnel geändert. Wir sperren jetzt zum Beispiel die komplette Röhre und führen die Arbeiten meist nachts durch. Da ist weniger Verkehr unterwegs und unser Team ist besser geschützt.

Wie sieht eine Sperrung aus? Welche Art von Absperrungen nutzen Sie dafür?

Einerseits gibt es die geplante Vollsperrung, zum Beispiel für die Wartung oder eine Sanierung. Andererseits kommt es zu ungeplanten Sperrungen wie Bränden oder Unfällen. Bei diesen unvorhersehbaren Ereignissen setzen wir vor der Tunneleinfahrt die Höchstgeschwindigkeit Stück für Stück runter. Das lässt sich dank der elektronischen Verkehrszeichen leicht anpassen. Zusätzlich sperren wir die Zufahrt mit einer roten Ampel und Schranken. An den vorgelagerten Anschlussstellen schildern wir eine Umleitung abseits der Autobahn aus. Bei einer geplanten Sperrung kündigen wir diese mindestens zwei Wochen vorher an, zum Beispiel über Hinweistafeln an der Autobahn oder über Radionachrichten. Auch dann gibt es eine entsprechende Umleitung.

Sie haben bereits die Wartung erwähnt. Warum ist sie wichtig und was erledigen Sie dabei?

Bei der normalen Durchfahrt sieht man nicht, wie komplex Tunnel technisch ausgestattet sind. Teilweise arbeiten wir hier mit bis zu 15 Einzelgewerken. Dazu gehören zum Beispiel Energieversorgung, Beleuchtung, Lüftung, Brandmelde- oder Notrufsysteme. Diese müssen wir mindestens einmal im Jahr auf ihre Funktionsfähigkeit checken. Wenn etwas nicht funktioniert, tauschen wir Teile aus oder reparieren, wenn zum Beispiel eine Lampe der Tunnelbeleuchtung oder ein LED-Element der aktiven Leiteinrichtung kaputt ist.

Wie lange dauert eine Wartung?

Das hängt von der Länge des Tunnels ab. Bei normalen Tunnellängen von 1.000 bis 1.500 Metern brauchen wir eine Nacht pro Röhre. Beim Rennsteigtunnel dauert die Wartung vier Nächte. Da müssen wir pro Röhre zwei Nächte hintereinander einplanen.

Auch aufwändigere Baumaßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit der Tunnel zu gewährleisten. Wie oft kommt das vor?

Bei der Sanierung bringen wir die Technik auf den neuesten Stand, denn nach 20 Jahren ist sie eigentlich weitgehend verschlissen. Von der Energieversorgung über die Belüftung bis hin zu den aktiven Leiteinrichtungen entlang der Notgehwege: Alles müssen wir modernisieren. Das gilt auch für das Tunnelbauwerk. Hier erneuern wir die Fahrbahn oder die Notgehwege. Bei einigen Tunnelbauwerken gibt es ein Problem mit Chloriden. Tausalz dringt in den Beton der Tunnelwände ein und schädigt ihn. Aus Sicherheitsgründen sanieren und beschichten wir die Wände. Das hellt den Tunnel optisch auf, was das Sicherheitsgefühl erhöht. Außerdem bringen wir die LED-Beleuchtung und die Lautsprecher auf den neuesten Stand.

Warum ist auch die Reinigung der Tunnel wichtig?

Damit alle Sicherheitseinrichtungen ihre Funktion erfüllen können, müssen sie für die Verkehrsteilnehmenden sichtbar sein. Tunnel haben das Problem, dass sich im Laufe der Zeit überall viel Schmutz, Staub und Dreck ansammelt. Auf der freien Strecke regnet es ab und zu, es gibt einen natürlichen „Reinigungseffekt“. Das fällt im Tunnel weg. Das heißt, mit der Zeit wird alles dunkler und schmutziger. Im Extremfall würde man die Beleuchtung oder die orangefarbenen Notrufstationen kaum noch erkennen. All diese Einrichtungen dienen aber dazu, den Verkehr sicher zu leiten und im Notfall eine Rettung zu ermöglichen. Im Winter setzt das Streusalz den Anlagen zusätzlich zu und wir müssen alles reinigen. Je nach Verschmutzungsgrad waschen wir die Tunnelwände und die Technik zweimal im Jahr. Alle zwei bis drei Jahre reinigen wir die Tunneldecke.

Ein orangefarbenes Waschfahrzeug reinigt eine Tunnelwand.
Die Reinigung der Tunnelwände ist je nach Verschmutzungsgrad zweimal pro Jahr erforderlich.

Ein weiterer Grund für die geplanten Sperrungen sind Sicherheitsübungen. Was trainieren Sie hier genau?

Für jeden Tunnel gibt es ein umfassendes Sicherheitskonzept, das natürlich auch den Notfall einschließt. Bei einem Brand oder Unfall ist es nicht nur wichtig, den Tunnel zu sperren und die technischen Anlagen zu schalten. Auch die Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste müssen ihre Abläufe entsprechend trainieren. Die Planungen dafür sind in der Alarm- und Gefahrenabwehrplanung, kurz AGAP, festgelegt. Ob Panne, Unfall, Brand oder Gefahrgutunfall: Hier gibt es verschiedene Einsatzstufen, die festlegen, wer mit welchen Kräften und Mitteln entsprechend ausrückt.

Alle vier Jahre finden Großübungen statt, um die Abläufe im Ernstfall zu überprüfen. Dann inszenieren wir zum Beispiel einen Unfall im Tunnel, Statisten bekommen geschminkte Verletzungen und wir testen den gesamten Einsatzablauf. Dann schauen wir: Wie läuft der Einsatz? Wie lange brauchen alle, um vor Ort zu sein? Wie läuft die Kommunikation zwischen unserer Tunnelleitzentrale, zwischen der Landeseinsatzzentrale und den Einsatzkräften? Wie funktioniert die Übernahme der Einsatzleitung? All das müssen wir überprüfen. Die Übung dient vor allem dazu, Defizite aufzuzeigen. Gemeinsam schauen wir, wo es Verbesserungspotenzial gibt.

Eine gesperrte Zufahrt zu einem Autobahntunnel. Auf einem Schild steht: „Brand“. Daneben sind rote Ampeln zu sehen. Eine Schranke versperrt die Zufahrt.

Ereignisse wie Staus, Brände oder Störungen treten unvorhergesehen auf. Worauf sollten Verkehrsteilnehmende in solchen Fällen achten?

Generell muss man sagen: Tunnel in Deutschland sind sehr sicher. Die häufigsten Vorfälle sind Pannen oder Reifenpannen. Bei Letzteren platzen die Reifen oder Verkehrsteilnehmende vergessen die Radmuttern nach dem Wechsel nachzuziehen. Seltener sind Brände oder Unfälle.

Im Ernstfall gelten jedoch besondere Verhaltensregeln für die Verkehrsteilnehmenden. Wenn ich auf den Tunnel zufahre und sehe, dass die Geschwindigkeit begrenzt ist und die Schranken schließen: Bitte nicht mehr durchfahren, sondern direkt vor der Ampel anhalten und eine Rettungsgasse bilden, damit im Notfall die Einsatzkräfte ungehindert passieren können.

Wer zu schnell fährt, gefährdet sich selbst und uns.

Steffen Meier, Autobahn GmbH

Bei Pannen während der Durchfahrt ist besondere Vorsicht geboten, da ein Fahrstreifen gesperrt sein kann. In diesem Fall ist es besonders wichtig, die Fahrstreifensignale auf den elektronischen Verkehrszeichen zu beachten und den Anweisungen über Verkehrsfunk oder Lautsprecher unbedingt Folge zu leisten.

Was würden Sie sich von den Verkehrsteilnehmenden für mehr Sicherheit im Tunnel wünschen?

Wenn wir im Tunnel sind, müssen wir dringende Reparaturen oder Arbeiten durchführen. Unser Team vor Ort muss sich dabei sicher fühlen. Das bedeutet, dass die Verkehrsteilnehmenden auf unnötiges Hupen verzichten sollten. Es nützt auch niemandem, zu schnell durch den Tunnel zu fahren. Damit gefährdet man sich selbst und die Kolleginnen und Kollegen. Es ist sehr wichtig, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung und an die Fahrstreifensignale zu halten. Und wenn während einer Tunnelwäsche nur 40 km/h erlaubt sind, dann muss sich auch jeder daran halten. Die einzige Alternative zur Geschwindigkeitsbegrenzung wäre eine Vollsperrung des Tunnels.

Fotos: Fernstraßen-Bundesamt, Autobahn GmbH

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