Gesundheit im Güterverkehr
Sicher auf Achse
Sie halten unser Land am Laufen. Doch wer schützt die Profis hinter dem Steuer? Erfahren Sie, wie wir gemeinsam die Gesundheit von Berufskraftfahrenden und die Verkehrssicherheit für alle verbessern können.

Volle Straßen, enge Zeitfenster, hoher Leistungsdruck: Der Alltag von Berufskraftfahrenden ist geprägt von vielfältigen Herausforderungen. Sie sind das Rückgrat unserer Versorgungskette und täglich viele Stunden auf unseren Straßen unterwegs. Das stellt besondere Anforderungen an ihre Gesundheit und damit an die Verkehrssicherheit aller.
Die täglichen Belastungen im Güterverkehr
In den Monaten November und Dezember wächst der Druck auf die Logistikbranche, immer mehr Güter in immer kürzerer Zeit zu transportieren. Für Berufskraftfahrende bedeutet das oft:
Lange Arbeitszeiten: Neben den Lenkzeiten am Steuer gehören auch das Be- und Entladen der Waren sowie Wartezeiten an Grenzen oder auf Fähren zur Arbeit dazu. Viele Lkw-Fahrende arbeiten teilweise mehr als 48 Stunden wöchentlich – und das oft rechtlich zulässig. Auf Dauer wirkt sich diese Belastung jedoch negativ auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus.
Sitzende Tätigkeit: Viele Stunden am Steuer können den Rücken und das Herz-Kreislauf-System belasten. Bewegungsmangel ist eine der größten Gesundheitsgefahren und kann Verspannungen, Schmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten hervorrufen.
Zeitdruck: Fast zwei Drittel der Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer im Güterverkehr arbeiten häufig unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Die Anforderung, exakt terminierte Lieferzeitfenster einzuhalten, kann zu Überforderung und somit zu Fehlbedienungen des Fahrzeugs sowie zu Fehlverhalten im Straßenverkehr führen.
Körperliche Belastungen: Staus, Wartezeiten ungünstige Wetterbedingungen und hoher Zeitdruck können Berufskraftfahrende belasten und durch die Beanspruchung Stress auslösen. Hinzu kommen unregelmäßige Arbeitszeiten, die dem eigenen Biorhythmus entgegenstehen. All diese Faktoren können auf Dauer Gesundheitsprobleme nach sich ziehen.
Gesundheit am Steuer: ein Sicherheitsfaktor für uns alle
Übermüdete oder gestresste Berufskraftfahrende reagieren langsamer, sind unkonzentrierter und treffen möglicherweise falsche Entscheidungen. Die Folgen können gravierend sein – nicht nur für die Fahrenden selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmende.
Berufskraftfahrende sollten deshalb auch außerhalb der vorgeschriebenen Ruhezeiten besonders darauf achten, ausreichend Pausen einzulegen, sich zu bewegen und auf die vielfältigen Warnsignale bei Müdigkeit und Erschöpfung schnell zu reagieren.
Lenk- und Ruhezeiten im Lkw
Spätestens nach 4,5 Stunden Fahren müssen Lkw-Fahrende die Lenkzeit für mindestens 45 Minuten unterbrechen und diese Pause zur Erholung nutzen. Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer müssen eine tägliche Ruhezeit von elf Stunden einhalten und dürfen in der Regel maximal neun Stunden pro Tag fahren. Es gibt noch weitere Bestimmungen, zum Beispiel Sonder- und Wochenregelungen.
Berufskraftfahrende müssen ihre Lenk- und Ruhezeiten dokumentieren.
Ausgeruht, ausgeglichen und sicher unterwegs – so geht's!
Berufskraftfahrende leisten einen wichtigen Job. Damit sie gesund und sicher unterwegs sind, braucht es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
Klare Regeln, die schützen: Die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten sind kein Hindernis, sondern ein Schutzsystem. Damit die Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer ausreichend Erholung bekommen, müssen Logistikunternehmen darauf achten, dass diese Zeiten unbedingt eingehalten werden. Die Inanspruchnahme von Ausnahmeregelungen sollte dabei auf das notwendige Maß beschränkt bleiben.
Auf den Körper hören: Müdigkeit ist ein Warnsignal. Wer häufig gähnt, schwere Augenlider hat oder sich unkonzentriert fühlt, sollte sofort eine Pause einlegen. Auch wenn der Tacho noch keine Pause verlangt. Kleine oder leichte Mahlzeiten während der Pausen versorgen den Körper mit Energie. Auf schwere Mahlzeiten und Fast Food sollte man direkt vor einer Fahrt besser verzichten. Ausreichend trinken ist ebenfalls wichtig.
Pausen aktiv gestalten: Regelmäßige Pausen sind wichtig, aber noch besser sind aktive Pausen. Kurze Dehnübungen, ein kleiner Spaziergang oder einfach mal tief durchatmen – das bringt den Kreislauf in Schwung und löst Verspannungen.
Schlaf ist die beste Vorsorge: Ausgeruht startet man besser in den Tag. Berufskraftfahrende sollten daher auf ausreichend Schlaf achten und die Ruhezeiten optimal nutzen.
Fit im Job: Regelmäßige Bewegung im Alltag hilft, fit zu bleiben und Risikofaktoren zu minimieren.
Ergonomie am Arbeitsplatz: Moderne Fahrzeuge sind ergonomisch gestaltet. Wichtig ist, den Fahrersitz und die Spiegel richtig einzustellen, um eine gute Sicht zu haben und Fehlhaltungen zu vermeiden.
Gemeinsam für mehr Sicherheit
Damit Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer gut durch den Alltag kommen, können alle Verkehrsteilnehmenden einen Teil beitragen:
Verständnis zeigen: Seien Sie geduldig und verständnisvoll, wenn ein Lkw rangiert oder kurzzeitig den Verkehr behindert.
Rücksicht nehmen: Halten Sie ausreichend Abstand, vermeiden Sie riskante Überholmanöver und seien Sie besonders aufmerksam im Bereich von Lkw und Lieferfahrzeugen.
Pausen respektieren: Fördern Sie das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Pausen. Wenn Sie Lkw-Fahrende am Rastplatz sehen, wissen Sie, dass er oder sie gerade einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet.
Mit einfachen Maßnahmen und gegenseitiger Rücksichtnahme machen wir den Güterverkehr sicherer und gesünder – für alle Beteiligten.
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