Feuerwehr- und Rettungsübung auf der A 71
Tunnel Schmücke: Einsatzkräfte proben Ernstfall
Sicherheit hautnah getestet: In einem Tunnel in Thüringen simulieren Feuerwehr, Rettungsdienst und Betreiber gemeinsam einen Einsatz mit einem Brandtest. Die groß angelegte Übung im Tunnel Schmücke zeigt, wie die Tunnelsicherheitstechnik und Einsatzkräfte für optimalen Schutz zusammenspielen.

Dichter Rauch liegt in der Luft. Flackerndes Blaulicht taucht die Tunnelröhre in ein gespenstisches Licht. Ein leises Summen der Lüftung hallt durch den langen Gang. Es bleibt ruhig. Keine Panik, keine Hektik. Genau so soll es sein.
Ein Vormittag an der A 71 bei Heldrungen, nahe Erfurt. Die Autobahn ist in Fahrtrichtung Sangerhausen und Schweinfurt voll gesperrt. Im Tunnel Schmücke trainieren Einsatzkräfte den Ernstfall: Ein Fahrzeug brennt in einer der 1,7 Kilometer langen Röhren. Heute ist es nur ein Training, um Abläufe zu schärfen, die Technik zu überprüfen und maximale Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten.
Die Übung hat einen aktuellen Anlass. Der Tunnel wird 2026 umfassend saniert. Dies ist etwa alle 20 Jahre erforderlich. Hierzu muss jeweils eine Röhre gesperrt werden. Der Verkehr beider Fahrtrichtungen muss dann durch eine Röhre fließen. Dadurch steigt das Unfallrisiko. Um Auffahrunfälle zu vermeiden und auch nicht aus Versehen in den Gegenverkehr zu geraten, müssen Verkehrsteilnehmende noch aufmerksamer sein.
Vorbereitung auf die Tunnelmodernisierung
Als Betreiberin des Tunnels kombiniert die Autobahn GmbH des Bundes die alle vier Jahre gesetzlich vorgeschriebene Großübung mit einem realen Brandtest. So gewinnt sie wichtige Erkenntnisse für den Betrieb während der Sanierungsphase. „Wir bereiten den gesamten Tunnel auf die anstehende Erneuerung vor – sowohl technisch als auch baulich“, erklärt Steffen Meier von der Autobahn GmbH.
Für die umfassende Instandsetzung sperren die Verantwortlichen eine der beiden Röhren. Das ist nicht nur für Verkehrsteilnehmende anspruchsvoller, sondern stellt auch die Lüftungstechnik vor größere Herausforderungen. Bei Gegenverkehr ist mit unterschiedlichen Strömungsrichtungen der Luft und der Brandgase im Brandfall zu rechnen. Für dieses Szenario muss die Lüftungssteuerung die Rauchströmung beherrschen, um bei einem Rückstau möglichst wenige Verkehrsteilnehmende zu gefährden. Bei der Übung überprüfen Fachleute alle technischen Sicherheitseinrichtungen unter realistischen Bedingungen, darunter die unverzügliche Tunnelschließung, die korrekte Schaltung der Lüftung sowie die zugehörigen Meldewege.
Das Tunnelbauwerk ist ein zentraler Bestandteil der A 71. Moderne Technik und strenge Vorgaben machen deutsche Straßentunnel besonders sicher. Doch Sicherheitstechnik allein reicht nicht aus. Erst das Zusammenspiel von ausgebildeten Einsatzkräften der Feuerwehr und Polizei sowie des Rettungs- und Betriebsdienstes sorgt dafür, dass Sicherheitskonzepte im Ernstfall greifen.


Rauch, Flammen und präzise Reaktion
Punkt 9 Uhr beginnt die Simulation eines Autounfalls mit Verletzten. Feuerwehrleute in dicker, brandsicherer Schutzkleidung schichten in einer Feuerschale alte Autoreifen aufeinander. Der Sicherheitsbeauftragte der Übung zündet die Reifen an. Sofort schlagen Flammen hoch und schwarze, dichte Rauchwolken steigen empor, die den gesamten Tunnelquerschnitt füllen. Der stechende Geruch von Verbranntem ist sofort über die Atemwege wahrzunehmen, die Hitze wird spürbar. Dieser dichte Rauch breitet sich kontrolliert in eine Richtung im Tunnel aus.
Die Sicherheitseinrichtungen, wie die Brandnotbeleuchtung und die Brandfall-Lüftung, schalten sich automatisch ein. Die Brandfall-Lüftung läuft in einem speziell programmierten Entrauchungsprogramm an. „Wir testen die Lüftung gezielt in der Selbstrettungsphase. In dieser Phase haben die Tunnelnutzer die Möglichkeit, die Notausgänge zu finden und sich weg vom Rauch in Sicherheit zu bringen“, sagt Frank Steiner, Sicherheitsbeauftragter für Straßentunnel in Thüringen. Das bedeutet, dass unter der heißen Rauchschicht ausreichend Sicht bleibt, um gebückt die Notausgänge zu erreichen – und genau das bestätigt die Übung. Der Experte zeigt sich zufrieden: „Die Anlage leistet genau das, was wir im Brandfall benötigen.“

Stephan Thelemann ist Einsatzleiter der Übung bei der Feuerwehr Heldrungen im Tunnel Schmücke. Um die Sicherheitstechnik optimal auf den Gegenverkehrsbetrieb sowie die Schnittstellen der Sanierung vorzubereiten, ist jedes Detail wichtig.
Kurz nach dem Alarm rücken die Rettungskräfte an. Etwa 80 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Sömmerda und dem Kyffhäuserkreis erreichen mit zehn Fahrzeugen die Einsatzstelle. Zum Vergleich: Bei einem gewöhnlichen Pkw-Brand reichen in der Regel fünf Fahrzeuge.
Einsatzleiter Stephan Thelemann von der Feuerwehr Heldrungen erklärt die besondere Herausforderung eines Tunnelbrandes: „Wir handeln nach festgelegten Standard-Einsatz-Regeln, die in ganz Thüringen gelten. Zuerst wird die Lage erkundet, dann wird gelöscht und parallel erfolgt das Suchen und Retten von Menschen. Diese Taktik sichert das bestmögliche Ergebnis. Wir löschen, um zu retten!“
Koordiniert im dichten Rauch handeln
Die Evakuierung läuft planmäßig an. Feuerwehrleute in voller Schutzkleidung und mit Atemschutzgeräten dringen zur Lageerkundung in die verrauchte Tunnelröhre vor. Mit speziellen Suchstöcken tasten sie den Boden ab, um auch bei eingeschränkter Sicht Personen zu finden. Sobald alle Menschen gerettet sind, richtet sich der Fokus vollständig auf die Brandbekämpfung. Nur wenige Minuten später ist das Feuer unter lautem Zischen der Wasserstrahlen gelöscht. Parallel zum Löschvorgang kühlt die Feuerwehr auch die Tunnelwände, um die Bausubstanz zu schützen.
Eine zentrale Rolle spielen auch die Querschläge und Überfahrten zwischen den beiden Tunnelröhren. Sie dienen als Rettungswege in die nicht betroffene Röhre. Die Überfahrten mit gegenüberliegenden Pannenbuchten dienen als Durchfahrtsmöglichkeit für Feuerwehrfahrzeuge. Die Einsatzkräfte trainieren auch die praktische Durchfahrt, indem sie die Überfahrt zwischen beiden Röhren ruhig und zügig befahren.


Hinter den Kulissen: Technik, Training und Lernprozesse
Mit echten Flammen zu üben, ist für alle Beteiligten lehrreich. „Man muss ein echtes Feuer erleben, um es wirkungsvoll bekämpfen zu können. Theorie allein genügt nicht“, betont Stephan Thelemann. Solche Übungen liefern wichtige Erkenntnisse, um Sicherheitstechnik, Einsatzabläufe sowie Meldewege und Kommunikationsstrukturen gezielt weiterzuentwickeln.
Mehr als ein Dutzend Männer und Frauen in leuchtender Einsatzkleidung strömen zur Nachbesprechung. Manöverkritik. Wo hakten die Löscharbeiten? Wer hat Verbesserungsvorschläge? Der Übungsleiter ergreift das Wort: „Wir müssen die Absprachen per Funk konsequenter einhalten. Auch die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Landkreisen sowie die Koordination der Einsatzleitung lassen sich weiter optimieren.“ Gerade bei Einsätzen mit vielen freiwilligen Feuerwehren aus kleineren Orten kommt es laut Thelemann auf klare Einsatzbefehle und stetige Kommunikation an. Insgesamt zeigen sich die Verantwortlichen aber zufrieden. Einig sind sich alle: Solche Übungen sollten häufiger stattfinden, um Schnittstellen und Abläufe weiter zu festigen.

Nach dem Brandtest: Einsatzkräfte und Verantwortliche besprechen den Übungsablauf. In dieser Abschlussbesprechung sammeln sie wichtige Erkenntnisse, um Abläufe weiter zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen.
Auch das Fernstraßen-Bundesamt (FBA) begleitet Großübungen regelmäßig, um die Abläufe zu beobachten. Als Verwaltungsbehörde ist das FBA für Tunnel mit einer Länge von mindestens 400 Metern zuständig, sofern diese in der Zuständigkeit der Autobahn GmbH liegen. Die Behörde stellt zum Beispiel sicher, dass die Sicherheitsanforderungen gemäß der Tunnelrichtlinie eingehalten werden. Da Brandversuche für einen sicheren Tunnelbetrieb entscheidend sind, ist das FBA bei diesen Tests stets vor Ort. Es wertet die Übungsberichte aus und legt bei Bedarf konkrete Optimierungsmaßnahmen fest.
Vertrauen schaffen und Sicherheit sichtbar machen
Die Praxis zeigt: Solche Trainingseinheiten verdeutlichen den Verantwortlichen die große Bedeutung der Sicherheit in Straßentunneln. Gleichzeitig wächst das Verständnis für notwendige Tunnelsperrungen. Professionell durchgeführte Maßnahmen bauen Ängste ab und stärken das Vertrauen in Technik und Einsatzkräfte.
Sicherer unterwegs: Ihr Beitrag zählt
Was bedeutet das für die Verkehrsteilnehmenden? Stephan Thelemann unterstreicht: „Deutsche Tunnel sind sehr sicher – auch weil regelmäßig geübt wird. Für Verkehrsteilnehmende bedeutet das: Hinweise im Tunnel beachten, Abstand halten und im Ernstfall den Anweisungen folgen.“
Aufmerksam mit #mehrAchtung, sind wir alle sicherer unterwegs im Straßenverkehr, auch im Tunnel.
Das rät Feuerwehrmann Stephan Thelemann bei Unfällen und Bränden im Tunnel:
„Bewahren Sie unbedingt Ruhe.“
„Achten Sie auf Anweisungen, die Sie über das Radio oder über Lautsprecher im Tunnel erhalten.“
„Schalten Sie die Lüftung im Fahrzeug auf Umluft, um Rauchgase fernzuhalten.“
„Wenn Sie aufgefordert werden, den Tunnel zu räumen, folgen Sie unverzüglich den Hinweisen und begeben Sie sich unter Beachtung der Laufrichtung ‚Weg vom Rauch‘ zum nächstgelegenen Notausgang.“
Bilder: Fernstraßen-Bundesamt, Stephan Hobmaier





