Don’t drive high
CBD, THC und sogenannte „Legal Highs“ im Verkehr
THC ist teilweise legalisiert, CBD-Öl gibt es in der Drogerie und sogenannte „Legal Highs“ im Kiosk. Doch nicht alles, was nach Cannabis aussieht, wirkt gleich: Was gilt als vergleichsweise sicher im Straßenverkehr – und was ist besonders gefährlich?

Cannabidiol, kurz CBD, aus der Hanfpflanze ist mittlerweile in vielen Drogerien und Apotheken als Öl erhältlich. Doch darf man nach CBD-Konsum Auto fahren? Die kurze Antwort: in der Regel ja, aber nicht uneingeschränkt. Eine klinische Studie verglich Teilnehmende mit und ohne CBD-Konsum. Auf einer 100 Kilometer langen Teststrecke unterschieden sich beide Gruppen nicht in ihrer Fähigkeit, die Spur zu halten. Doch komplett unbedenklich ist der Stoff trotzdem nicht.
CBD und Auto fahren: Das sollten Sie wissen
„CBD wird häufig als nicht psychoaktiv bezeichnet, doch das ist nicht richtig. Cannabidiol wirkt auf das zentrale Nervensystem“, sagt Andreas Alberts vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Der Biologe beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit psychoaktiven Stoffen und ist Vorsitzender der Landessektion Rheinland-Nord. Was CBD von THC unterscheidet, sagt Alberts: „Es hat keine sogenannte psychotrope Wirkung. Das heißt, es ist nicht rauscherzeugend.“ Dennoch sollten CBD-Konsumierende ihre Fahrfähigkeit kritisch hinterfragen.
CBD kann Müdigkeit und weitere Nebenwirkungen verursachen
„Konsumierende können nach CBD-Konsum müde werden. Deshalb sollten sie überprüfen, ob sie noch am Straßenverkehr teilnehmen können“, sagt Andreas Alberts. Weitere bekannte Nebenwirkungen sind:
Schlaflosigkeit und innere Unruhe,
Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit,
möglicherweise Leberschäden auch bei niedrigen Dosierungen sowie
Wechselwirkungen mit 53 bekannten Arzneistoffen, darunter Psychopharmaka, Antibiotika, Blutdrucksenker, Blutverdünner und Epilepsie-Medikamente.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellte im Februar 2026 in einer vorläufigen Sicherheitsbewertung fest, dass CBD für Personen unter 25 Jahren, Schwangere, Stillende und Menschen, die Medikamente einnehmen, gesundheitliche Risiken bergen kann.
Zudem befinden sich CBD-Produkte rechtlich in einer Grauzone. Als sogenannte „Novel Food“ (neuartige Lebensmittel) benötigen sie eine EU-Zulassung, die bislang für kein CBD-Produkt erteilt wurde. Deshalb dürfen CBD-haltige Produkte nur in Form von Aromaölen oder Kosmetik vertrieben werden. Diese sind jedoch nicht zum Verzehr geeignet.
CBD-Produkte können auch THC enthalten
EU-zertifizierte Hanfsorten dürfen einen THC-Gehalt von bis zu 0,3 Prozent aufweisen. Doch die Realität sieht oft anders aus: In einer Untersuchung aus dem Jahr 2020 enthielten 46 Prozent der überprüften CBD- und Hanfprodukte überhöhte THC-Werte. Negative Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit, wie eine verminderte Reaktionsfähigkeit, können beim Konsum von THC-Produkten nicht ausgeschlossen werden.
Für Verkehrsteilnehmende bedeutet das außerdem: Auch bei regelmäßigem CBD-Konsum kann sich THC im Körper anreichern und der Grenzwert von 3,5 ng/ml unbemerkt überschritten werden. Die Konsequenz: ein erhöhtes Unfallrisiko sowie mögliche rechtliche Folgen wie Bußgeld, Punkte und Fahrverbot.
Wer trotz der Risiken CBD-Produkte nutzen möchte, sollte:
nur seriöse Hersteller wählen, die Analysezertifikate vorlegen können,
auf Produkte aus dem Schwarzmarkt verzichten,
bei Medikamenteneinnahme vorher ärztlichen Rat einholen,
die Fahrfähigkeit kritisch prüfen, besonders bei Müdigkeit und
bedenken, dass durch THC-Spuren positive Drogentests möglich sind.
Der THC-Grenzwert ist kein Freifahrtschein
Der THC-Grenzwert von höchstens 3,5 ng/ml im Blutserum gilt seit August 2024. Diesen Wert sollten Konsumierende nicht als Freifahrtschein verstehen, sagt Andreas Alberts: „Wem Gesundheit und Führerschein lieb sind, sollte Konsum und Teilnahme am Straßenverkehr trennen.“
Andreas Alberts, BADS
Cannabiskonsum kann die Wahrnehmung beeinträchtigen, die Reaktionszeiten verlangsamen, die Konzentration verschlechtern und die Koordination einschränken. Deshalb empfiehlt der BADS-Experte Andreas Alberts allen Gelegenheitskonsumierenden, mindestens 24 Stunden zu warten, bevor sie wieder am Straßenverkehr teilnehmen.
Anders sei das laut Alberts jedoch bei Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumieren: „Regelmäßige Konsumierende können diese Faustformel nicht mehr anwenden. Es kann mehrere Wochen bis zu einem Monat dauern, bis THC nicht mehr nachweisbar ist und man die 3,5-Nanogramm-Grenze wieder unterschreitet.“
Synthetische Cannabinoide und sogenannte „Legal Highs“
Neben CBD und THC gibt es eine dritte Gruppe von Cannabis-ähnlichen Substanzen, die eine hohe Gefahr für den Straßenverkehr darstellt: synthetische Cannabinoide – häufig umgangssprachlich auch als „Legal Highs“ bezeichnet. Der Begriff „Legal Highs“ ist jedoch irreführend: „Legal“ bedeutet hier oft nur, dass eine Substanz (noch) nicht ausdrücklich verboten ist. Ob als E-Zigarette, in bunter Süßwarenverpackung oder als fertig gedrehter „Joint“ – in zahlreichen Kiosken und im Internet sind sogenannte „Legal Highs“ erhältlich. Laut Andreas Alberts enthalten diese Produkte im Labor hergestellte Substanzen mit veränderter chemischer Struktur, die eine THC-ähnliche Wirkung erzielen sollen.
„Das sind sogenannte ‚Research Chemicals‘; Chemikalien, die aus der Forschung kommen, um die Wirkung auf das Endocannabinoidsystem genauer erforschen zu können“, sagt Alberts. Der ursprüngliche Zweck dieser Stoffe sei rein wissenschaftlich. Doch wie kommen Laborchemikalien in den freien Verkauf?
„Es liegt daran, dass THC lange Zeit verboten war und die Leute nach legalen Alternativen gesucht haben“, so Alberts. Der Gesetzgeber verbietet diese „neuen psychoaktiven Stoffe“ (NPS) in der Regel durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Im Gegensatz zum Betäubungsmittelgesetz (BtMG) werden dabei nicht einzelne Drogen und Rauschmittel, sondern ganze Stoffgruppen wie Benzodiazepine, LSD-Analoga und synthetische Cannabinoide erfasst.
Bunte Verpackung, tödliche Wirkung
Doch die Hersteller nutzen eine rechtliche Lücke. Sie verändern ein Molekül leicht, schon entsteht eine neue Substanz, die noch nicht explizit verboten ist, sagt der BADS-Experte. „Das ist so ein Hase-und-Igel-Rennen: Es wird etwas verboten und wenig später kommt ein neues ‚Legal High‘-Produkt auf den Markt.“
Die Bezeichnung als „Legal Highs“ ist dabei eine starke Verharmlosung. „Legal“ bedeutet in diesem Kontext nicht harmlos, sondern oft nur: noch nicht verboten. Hinzu kommt, dass viele Produkte mit bunten Verpackungen als Gummibärchen, Kekse oder Cannabis-Butter auf junge Konsumierende abzielen. Für Eltern und Lehrkräfte sind sie kaum als Drogen erkennbar.
Hundertfach stärker als THC
Synthetische Cannabinoide und andere NPS können bis zu 100-fach stärker wirken als pflanzliches THC. Die Wirkungen reichen von anregend bis dämpfend, von Euphorie bis zur totalen Orientierungslosigkeit.
„Konsumierende können die Wirkung oft nicht einschätzen. Die Wirkstoffkonzentration variiert von Produkt zu Produkt erheblich“, sagt Andreas Alberts. Denn was auf der Verpackung steht, entspricht oft nicht dem tatsächlichen Inhalt. Streckmittel, Verunreinigungen oder eine deutlich höhere Dosierung als angegeben können enthalten sein. 2024 sind 25 Menschen in Verbindung mit synthetischen Cannabinoiden gestorben.
Das sind die Gesundheitsrisiken von sogenannten „Legal Highs“
Herzrasen, Kreislaufversagen, Atemnot
Mundtrockenheit, Übelkeit, Magenschmerzen
Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit
Psychosen, Angstzustände, Panikattacken
Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte bis hin zum Herzstillstand
„Legal Highs“ im Straßenverkehr: rechtliche Konsequenzen
Während für THC ein Grenzwert von 3,5 ng/ml gilt, gibt es für synthetische Cannabinoide keinen festgelegten Grenzwert. Bereits der Nachweis kann als Fahren unter Drogeneinfluss gewertet werden und straf- oder ordnungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Zudem können je nach Substanz auch strafrechtliche Konsequenzen sowohl für den Verkauf als auch den Kauf drohen.
Don’t Drive High
Auch wenn als „Legal Highs“ bezeichnete Substanzen deutlich gefährlicher sind als THC und CBD, sollten Konsumierende keinen dieser Stoffe unterschätzen. Wer am Straßenverkehr teilnehmen möchte, sollte dies ausschließlich nüchtern tun. Auch wenn der Konsum bereits mehrere Stunden zurückliegt, sollte man seine Fahrfähigkeiten kritisch hinterfragen – zum Schutz der eigenen Gesundheit und der aller anderen Verkehrsteilnehmenden.
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