Ein Blick hinter das Lenkrad

Interview: 10 Fragen an einen Busfahrer

Als Reisebusfahrer lenkt Enrico Bernig täglich tonnenschwere Busse durch Köln. Dabei trägt er große Verantwortung für seine Fahrgäste. Was wünscht er sich für mehr Achtsamkeit im Verkehr? Von engen Kreuzungen bis zum toten Winkel: ein Einblick, wie wir alle zu mehr Sicherheit beitragen können.

28.07.2026
3 min Lesedauer
Busfahrer Enrico Bernig sitzt am Steuer seines Reisebusses. Er lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist der Innenraum des Busses zu sehen.

Jeden Tag sind Busfahrerinnen und Busfahrer für die Sicherheit Hunderter Menschen verantwortlich. Sie navigieren große, sperrige Fahrzeuge durch den oft hektischen Straßenverkehr. Wie nehmen sie diese Herausforderung wahr? Wir haben mit Enrico Bernig, einem erfahrenen Reisebusfahrer aus Köln, über seinen Alltag, die größten Gefahrenmomente und seine Wünsche für ein rücksichtsvolles Miteinander gesprochen.

Herr Bernig, Sie arbeiten als Reisebusfahrer bei E-Weinzierl. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich bin in der Regel jeden Tag mit dem Reisebus unterwegs und fahre alles, was anfällt – von Schulfahrten bis hin zu VIPs. Wir bedienen auch viele Sportveranstaltungen, zum Beispiel Fußball, Eishockey oder Basketball, sowie diverse Events. Ich persönlich bin fester Teamfahrer des Eishockeyteams Kölner Haie.

Können Sie eine Situation schildern, in der es zu einem gefährlichen Moment oder Beinaheunfall kam?

Bei der Menge an Verkehrsteilnehmenden gibt es unzählige Momente. In der Stadt bin ich immer hellwach, weil Gefahren von allen Seiten kommen können. Gerade wenn Leute schnell noch den Bus erwischen wollen und bei Rot über die Ampel rennen, ist das extrem gefährlich. Auch beim Abbiegen habe ich oft mit ähnlichen Situationen zu kämpfen.

Wie hat sich Ihre Wahrnehmung des Straßenverkehrs verändert, seit Sie Busfahrer sind?

Der Verkehr nimmt zu. Viele fahren gefühlt immer schlechter Auto, obwohl die Fahrzeuge fast allein fahren. Hinzu kommen veränderte Straßenführungen, die mitunter weniger Platz für große Fahrzeuge und Fahrstreifen bedeuten. Ein Beispiel dafür sind XXL-Fahrradwege, die zu zusätzlichem Stau führen können. Ein wichtiger Punkt ist, immer mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmender zu rechnen. Viele schätzen die Größe des Busses oft falsch ein, was schnell zu gefährlich engen Situationen führen kann.

Busfahrer Enrico Bernig trägt einen roten „Kölner Haie“-Hoodie und zeigt das Peace-Zeichen. Im Hintergrund ist ein Bus zu sehen.
Busfahrer Enrico Bernig trägt einen roten „Kölner Haie“-Hoodie und zeigt das Peace-Zeichen. Im Hintergrund ist ein Bus zu sehen.

Welche sind die größten Herausforderungen und Stressfaktoren in Ihrem Alltag und wie bleiben Sie dabei gelassen?

Einerseits haben die Leute weniger Zeit und sind somit gestresster. Andererseits fallen mir vor allem langsam fahrende Autofahrer auf, die mit ihrer Fahrweise den Verkehrsfluss behindern. Oder diejenigen, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Ich versuche, ruhig und gelassen zu bleiben, aber das ist nicht immer leicht.

Gerade wenn Leute schnell noch den Bus erwischen wollen und bei Rot über die Ampel rennen, ist das extrem gefährlich.

Busfahrer Enrico Bernig

Welche typischen Fehleinschätzungen beobachten Sie bei anderen Verkehrsteilnehmenden bezüglich der Größe oder der Sichtfelder eines Busses?

Viele schätzen die Größe und den Wendekreis eines Busses falsch ein, wenn dieser sich durch die Straßen bewegt. Sie wissen oft nicht, wie groß der tote Winkel ist oder wie viel Platz ein Bus beim Abbiegen benötigt. Das führt häufig zu gefährlichen Situationen.

Der tote Winkel – eine unsichtbare Gefahr

Der tote Winkel bezeichnet die Bereiche um ein Fahrzeug, die die Fahrenden trotz Spiegel nicht oder schlecht direkt einsehen kann. Besonders bei großen Fahrzeugen wie Bussen und Lkw sind diese Bereiche erheblich. Neue Technologien wie der Abbiegeassistent unterstützen Busfahrerinnen und Busfahrer. Doch trotz dieser Hilfe bleibt es für den Menschen am Steuer eine Herausforderung, den Überblick in komplexen Situationen zu behalten und im entscheidenden Moment in den jeweils relevanten Spiegel oder auf den entsprechenden Monitor zu schauen.

Im Straßenverkehr sollten Sie die Gefahr des toten Winkels niemals unterschätzen! Vergewissern Sie sich, dass Sie vom rechtsabbiegenden Verkehr wahrgenommen werden. Bei unklaren Verkehrssituationen sollten Sie lieber auf Ihren Vorrang verzichten.

Inwiefern beeinflusst Ablenkung durch Handys oder Navigationsgeräte das Unfallrisiko?

Ablenkung ist ein riesiges Problem! Zwar besteht ein Handyverbot am Steuer, doch die riesigen Touch-Bediensysteme in modernen Autos lenken genauso ab und können zu Unfällen führen.

Welche Rolle spielt das Parkverhalten anderer Fahrzeuge – beispielsweise das Parken an Haltestellen, in zweiter Reihe oder in engen Kurven – für Ihre Arbeit, die Sicherheit und die Pünktlichkeit auf der Straße?

Viele Leute vergessen, dass auch größere Fahrzeuge wie Busse die Straßen nutzen. Sie stellen ihr Auto einfach ab und denken: „Hauptsache, ich kann hier parken.“ Das schafft immense Probleme für uns, besonders zu Stoßzeiten und im Schulbusverkehr.

Lenkzeiten: Sicherheit für alle

Für Busfahrerinnen und Busfahrer gelten strenge Lenk- und Ruhezeiten. Diese Regelungen dienen der Verkehrssicherheit aller. Sie stellen sicher, dass Fahrerinnen und Fahrer stets ausgeruht und konzentriert ihre anspruchsvolle Aufgabe erfüllen können. Wer Rücksicht nimmt und Verständnis für die oft stressigen Arbeitsbedingungen zeigt, trägt zusätzlich zur Sicherheit bei.

Wie wirkt sich das Verhalten anderer auf Ihre Fahrgäste aus, etwa durch plötzliches Bremsen?

Das ist ein großes Problem und kann Staus verursachen. Wenn alle vorausschauender fahren, verbessert sich die Verkehrssituation oft erheblich. Plötzliches Bremsen ist für die Fahrgäste zudem unangenehm und kann zu Stürzen führen.

Was wünschen Sie sich von anderen Verkehrsteilnehmenden an Haltestellen?

Nicht nur an sich denken! Besonders wichtig sind Rücksicht und vorausschauendes Fahren rund um Haltestellen. Nur so können wir sicher an- und abfahren.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf und was motiviert Sie trotz aller Herausforderungen, täglich mit Verantwortung unterwegs zu sein?

Mich motiviert die Herausforderung, neue, manchmal auch knifflige Dinge zu erkunden. Es wird nie eintönig!

Sicher unterwegs? Weitere wertvolle Tipps rund um Omni- und Schulbusse sollte man kennen.

Hier mehr erfahren.

Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer e. V. (BDO)

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen e. V. (BDO) ist der Spitzenverband der deutschen Busbranche für die Bereiche Personennahverkehr, Bustouristik und Fernlinienverkehr. Für die Busunternehmen steht die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle. Damit alle sicher ankommen, braucht es nicht nur sichere Busse, sondern auch mehr Rücksicht und Respekt im Straßenverkehr. Deshalb ist der BDO Teil der Initiative #mehrAchtung.

Bilder: Enrico Bernig

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