Sicher auf zwei Rädern

Mehr Radsicherheit für Pendelnde

Der Pedelec-Trend boomt, immer mehr Menschen nutzen E-Bikes. Doch mit der Beliebtheit steigen auch die Unfallzahlen, besonders im Berufsverkehr. Erfahren Sie, worauf Sie auf Ihrem Rad achten müssen und wie Sie sicherer unterwegs sein können. Eine Aktion des DVR hilft dabei.

13.11.2025
4 min Lesedauer
Eine junge Frau mit Rucksack und Helm fährt mit dem Fahrrad an einer Hausfassade vorbei.
Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Pendeln mit dem Fahrrad oder Pedelec statt mit dem Auto.

Pedelecs und Fahrräder sind fast unschlagbar, wenn es um Effizienz und Zeitersparnis im Straßenverkehr geht. Gerade im Pendelverkehr zur Arbeit von ländlichen Regionen in Ballungsgebiete hat das (unterstützte)Fahrrad seine Vorteile, die immer mehr Pendelnde für sich entdecken. Dazu zählen: geringere Betriebs- und Wartungskosten im Vergleich zum Auto, Unabhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln und ein kleinerer CO2-Fußabdruck. Zudem ist das Pendeln auf zwei Rädern statt mit dem Auto förderlich für die Gesundheit.

Dennoch gibt es einiges zu beachten, wenn man sich auf das Zweirad – ob nun mit oder ohne elektrischer Tretunterstützung – schwingt. Auch für erfahrene Radfahrende lohnt sich daher ein Blick auf die aktuelle Schwerpunktaktion zur sicheren Radfahrmobilität vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V. und den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern.

Was ist ein Pedelec?

Pedelecs (bis 250 Watt Motorleistung und elektrischer Tretunterstützung bis max. 25 km/h) werden rechtlich wie Fahrräder behandelt. Sie werden von Nutzenden fälschlicherweise oft auch als E-Bike bezeichnet, benötigen keine Zulassung oder Prüfung und dürfen bzw. müssen auf Radwegen oder der Fahrbahn gefahren werden.

Im Gegensatz dazu gelten schnelle Pedelecs (S-Pedelecs) mit einer Tretunterstützung bis zu 45 km/h als leichte zweirädrige Kraftfahrzeuge (Mopeds) und dürfen nur mit der Fahrerlaubnisklasse AM gefahren werden. E-Bikes, die ohne Treten durch einen Motor 25 km/h erreichen, sind dem Mofa gleichgestellt. Hierfür wird mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung benötigt. E-Bikes/S-Pedelecs benötigen ein Versicherungskennzeichen und sie dürfen nicht auf Radwegen fahren, sondern gehören auf die Straße. Das Tragen eines Helms ist hierfür verpflichtend.

Nahaufnahme einer Person in formeller Kleidung, die mit einem Elektrofahrrad auf einem Fahrradweg in der Stadt fährt.
Fahren mit dem Pedelec mit Tretunterstützung ist überall da gestattet, wo auch Fahrräder fahren dürfen.

Gemeinsam für sichere Radfahrmobilität: Der DVR und die gesetzlichen Unfallsversicherungsträger (UK/BG) starten Schwerpunktaktion 2025/26

Immer mehr Menschen entdecken das Fahrrad, mit und ohne Tretunterstützung, für sich – ob auf dem Weg zur Arbeit, in der Freizeit oder für alltägliche Erledigungen. Doch mit der wachsenden Beliebtheit steigt leider auch die Zahl der Unfälle bei Radfahrenden. Genau hier setzt die Schwerpunktaktion 2025/26 „Sichere Radfahrmobilität“ des DVR, der Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen an.

Ziel dieser Aktion ist es, Radfahrende umfassend über Risiken und korrekte Verhaltensweisen zu informieren und deren Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Mit einer breit angelegten Kampagne wird mit informativen Materialien auf Social Media, Plakaten und Flyern über die häufigsten Unfallursachen aufgeklärt. Beleuchtet werden kritische Situationen wie Abbiegeunfälle mit Kraftfahrzeugen, die Gefahren von Alkohol am Lenker und die unterschätzte Ablenkung durch Smartphones: „Hier gilt es, intensiv aufzuklären und die Risiken zu verdeutlichen“, erläutert Kay Schulte, Referatsleiter für Unfallprävention, Wege und Dienstwege beim DVR. „Der DVR tritt für eine Straßenverkehrsteilnahme ohne Beeinflussung durch Alkohol, Cannabis oder Mobiltelefone ein.“

Ein Mann im Anzug lächelt in die Kamera. Es ist Kay Schulte. Er ist Referatsleiter für Unfallprävention, Wege und Dienstwege beim DVR.
Kay Schulte, Referatsleiter für Unfallprävention, Wege und Dienstwege beim DVR.

Praxistaugliche Tipps für richtiges und vor allem sicheres Verhalten im Straßenverkehr werden vermittelt: Wie werden Radwege korrekt genutzt? Welche Verkehrsregeln sind entscheidend? Und wie sorgt man für maximale Sichtbarkeit in der Dämmerung oder im Winter?

Besonderes Augenmerk liegt auf den Herausforderungen beim Fahren von Pedelecs und S-Pedelecs. Informiert wird über die spezifischen Geschwindigkeiten und die damit verbundenen rechtlichen Vorschriften wie Helmpflicht, Versicherungs- und Führerscheinpflicht.

Diese gezielte Aufklärung soll das Bewusstsein für eigenverantwortliches und sicheres Fahrverhalten schärfen und sichere Strategien für den Umgang mit kritischen Situationen vermitteln. Denn gemeinsam kann die Anzahl der Unfälle und Verletzungen von Radfahrenden und Pedelec-Fahrenden nachhaltig reduziert werden. Fahren Sie sicher – für sich und andere!

Was sind die Gründe für Unfälle mit dem Pedelec?

Die Zahl der Unfälle mit Pedelec-Fahrenden hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht. Im Jahr 2024 wurden laut dem Statistischen Bundesamt 25.862 Pedelec-Fahrende bei Verkehrsunfällen verletzt. Die Zahl der Verunglückten unter normalen Fahrradfahrenden hingegen ist von 77.900 im Jahr 2014 auf etwa 67.299 im Jahr 2024 gesunken. Insgesamt gab es jedoch im Jahr 2024 fast 34.000 meldepflichtige Arbeits-, Dienstwege- und Wegeunfälle mit Pedelec- und Radfahrenden im Straßenverkehr. Dabei kommt es auch immer wieder zu schweren Verletzungen. 34 Prozent der Unfälle mit einem Pedelec sind jedoch Alleinunfälle ohne andere Unfallbeteiligte. Der Anteil ist damit deutlich höher als bei unmotorisierten Fahrrädern, bei denen er bei 26 Prozent liegt.

Der größte Vorteil der Pedelecs ist dabei gleichzeitig auch ihre größte Schwachstelle: die Geschwindigkeit.

Sie ist ein zentraler Faktor für Unfälle mit den beliebten Bikes. Denn durch die höhere Geschwindigkeit und das gleichzeitig um etwa zehn Kilogramm höhere Gewicht erfordern Pedelecs einen längeren Bremsweg als herkömmliche Fahrräder. Beim Bremsen oder Abbiegen ist deshalb besondere Vorsicht geboten. Auch auf nasser Fahrbahn, auf Herbstlaub und in der Dämmerung gilt: Lieber einen Gang runterschalten und langsamer fahren. Wer sein eigenes Tempo unterschätzt, läuft Gefahr, im Ernstfall zu spät oder zu plötzlich zu bremsen. Dadurch kann das Vorderrad blockieren und das Hinterrad abheben oder das Pedelec wegrutschen. In extremen Fällen kann sich das Rad sogar überschlagen.

DVR-Referatsleiter Kay Schulte weiß aus Erfahrung: „Wenn man die Ursachen für die Alleinunfälle genauer betrachtet, kommen eigentlich nur Trainings infrage, die einerseits die fahrphysikalischen Besonderheiten von Pedelecs aufzeigen und andererseits zielgerichtet sichere Fahr- und Verhaltensstrategien vermitteln, um Unfälle zu vermeiden.“

Nahaufnahme einer Frau, die einen Fahrradhelm aufsetzt.
Beim Fahrradfahren – mit oder ohne Tretunterstützung – wird das Tragen eines Helmes dringend empfohlen.

Sicher unterwegs: Vorsichtsmaßnahmen schützen Sie und andere

Handhabung üben: Nur aufsteigen und los gehts? So einfach wie beim Fahrrad ist das Losfahren mit dem Pedelec nicht. Wer sich und andere im Straßenverkehr nicht gefährden will, behandelt die höhere Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h mit Vorsicht. Sie macht das Lenken und Bremsen schwieriger als bei einem normalen Fahrrad. Im Idealfall werden das Anfahren, das Abbiegen in Kurven und das Bremsen vor dem ersten Einsatz im Straßenverkehr geübt – zum Beispiel auf einem leeren Parkplatz. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch ein angeleitetes Fahrsicherheitstraining von einem regionalen Fahrradclub besuchen. Hier lernen Teilnehmende in kleinen Gruppen die wichtigsten Aspekte der Handhabung ihres Bikes und können das Fahren mit dem Pedelec risikofreier üben.

Helme, Schutzkleidung und Licht: Zwar besteht keine Helmpflicht beim Fahren von Fahrrädern oder Pedelecs, allerdings können Helme das Verletzungsrisiko deutlich verringern. Laut der DVR/UK/BG-Schwerpunktaktion 2025 können durch das Tragen von Fahrradhelmen 20 Prozent der Kopfverletzungen bei Leichtverletzten und über 80 Prozent der Kopfverletzungen bei Schwerverletzten vermieden werden. Auch retroreflektierende und helle Kleidung kann für mehr Sicherheit sorgen. Gerade im Pendelverkehr in der Dämmerung, bei schlechtem Wetter oder im Winter helfen Reflektoren am Rad und an der Kleidung, die Sichtbarkeit von Rad- und Pedelec-Fahrenden für andere zu erhöhen. Darüber hinaus müssen im Dunkeln immer das Front- und das Rücklicht des Fahrrads eingeschaltet sein, um selbst gut erkennbar zu sein.

Geschwindigkeit anpassen: In unübersichtlichen Situationen, auf stark befahrenen Straßen oder auch bei der erlaubten gemeinsamen Nutzung von Gehwegen ist jedoch ein angepasstes Tempo und vorausschauendes Fahren wichtig. Das Gleiche gilt für nasse, glatte und unebene Fahrbahnen. Plötzliches Bremsen bei zu hoher Geschwindigkeit verlängert nicht nur den Bremsweg, sondern kann auch dazu führen, dass die Fahrerin oder der Fahrer die Kontrolle über das Bike verliert und die Räder blockieren.

Verkehrsregeln kennen und Rücksicht nehmen: Für Pedelecs gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für Fahrräder. Sie gehören auf den Radweg. Ist kein Radweg vorhanden, ist die Fahrbahn der richtige Platz.Auf dem Gehweg ist das Fahren nur gestattet, wenn dieser für den Radverkehr freigegeben ist. Die Wendigkeit von Fahrrädern und Pedelecs verleitet dennoch oft dazu, bei Eile zwischen Pkw durchzufahren oder auch mal den Gehweg zu nutzen. Pedelec-Fahrende, die sich nicht an die geltenden Verkehrsregeln halten, gefährden jedoch nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Zudem sind Pedelecs nicht für alle Verkehrsteilnehmenden als solche erkennbar und werden von anderen leicht in ihrer Geschwindigkeit unterschätzt. So kommt es zu Unfällen, die vermeidbar wären. Das Befolgen von Verkehrsregeln sowie einvorhersehbares, vorausschauendes und rücksichtsvolles Verhalten erhöhen die Sicherheit im Straßenverkehr für alle.

Wartung und Instandhaltung: Nur ein einwandfrei funktionierendes Fahrrad ist ein verkehrssicheres Fahrrad. Das gilt auch für Pedelecs. Funktionierende Bremsen, Beleuchtung und Reflektoren, gewartete Batterien und intakte Reifen sind für die eigene Sicherheit essenziell. Daher ist eine jährliche Inspektion in einer Fachwerkstatt ratsam. Hier können Defekte und Abnutzungserscheinungen am Fahrrad früh genug erkannt und behoben werden, was im Ernstfall lebensrettend sein kann.

Aufmerksam und eigenverantwortlich fahren

Eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr hängt sowohl von gegenseitiger Rücksichtnahme als auch von eigenverantwortlichem Handeln aller Verkehrsteilnehmenden ab. Nur wer jederzeit aufmerksam ist und nicht nur sich, sondern auch seine Mitmenschen im Blick behält, kann im Straßenverkehr vorausschauend handeln: „Gegenseitige Rücksichtnahme und die Korrektur von Fehlern anderer sind der Schlüssel zur Vermeidung von Unfällen. Denn Unfälle werden nicht nur verursacht, sondern auch nicht verhindert. Jede Person hat die Möglichkeit, etwas zu tun“, weiß unser Ansprechpartner beim DVR, Kay Schulte.

Weitere Tipps und Vorsichtsmaßnahmen für sicheres Radfahren im Rahmen der Schwerpunktaktion „Sichere Radfahrmobilität“ finden Sie hier.

Unfälle mit dem Fahrrad oder Pedelec vorbeugen und sicher ankommen:

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Bilder: Shutterstock, DVR

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