Sicher Radfahren

Warum verunglücken Radfahrende häufig allein?

Fast jeder dritte tödliche Fahrradunfall passiert ohne andere Beteiligte. Besonders in Herbst und Winter stürzen viele Radfahrende. Wir zeigen, wie sich solche Unfälle vermeiden lassen.

24.02.2026
2 min Lesedauer
Nahaufnahme eines gepflasterten Radwegs im Herbst. Auf dem dunklen Boden liegen gelbe und braune Blätter, die teilweise das weiße Fahrradpiktogramm verdecken.

Fahrradunfälle passieren oft unerwartet – und immer häufiger, ohne dass andere Verkehrsteilnehmende beteiligt sind. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat untersucht, wie solche Unfälle entstehen und wie sie sich vermeiden lassen.

Ein Drittel der tödlichen Radunfälle sind Alleinunfälle

2023 verunglückten 27.394 Radfahrende bei Unfällen ohne andere Beteiligte – Tendenz steigend. „Rad-Alleinunfälle haben sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt“, sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der UDV. Auch wenn bei solchen Unfällen kein Pkw, Lkw oder Motorrad beteiligt war, haben sie oft schwerwiegende Folgen. Fast jeder dritte Radunfall mit Personenschaden ist ein Alleinunfall. 2023 verletzten sich bei solchen Stürzen mehr als 6.400 Menschen schwer. Ein Drittel der tödlichen Radunfälle sind Alleinunfälle.

Die Ursachen für Alleinunfälle sind vielfältig, meist kommen mehrere Faktoren zusammen: Sie reichen von der eigenen, unangepassten Fahrweise, über die Infrastruktur, Hindernissen wie Bordsteinen und Straßenbahnschienen über Stürze auf rutschigen Fahrbahnen bis hin zu Fahrten unter Alkoholeinfluss, Unaufmerksamkeit und Ablenkung. Dass die Zahlen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, sei neben sanierungsbedürftiger Infrastruktur und der gestiegenen Beliebtheit des Radfahrens auch auf das Alter der Betroffenen und den zunehmenden Einsatz von Pedelecs im Straßenverkehr zurückzuführen, sagt Zeidler: „War damals noch jeder siebte allein Verunfallte älter als 66 Jahre, ist es inzwischen jeder fünfte.“

Alleinunfälle mit dem Pedelec enden oft schwerer

Pedelec-Fahrende stürzen besonders häufig in alltäglichen Situationen: beim Auf- oder Absteigen, Anfahren oder Bremsen. Die Ursachen liegen in einer Kombination aus Fahrverhalten und Erfahrung. Ungeübte Fahrende können vom höheren Gewicht und der stärkeren Beschleunigung überrascht sein. Die Folgen eines Unfalls mit dem Pedelec können im Vergleich zu Unfällen mit klassischen Fahrrädern gravierender sein. Dies ist auch auf das Alter der Verunglückten zurückzuführen. Bei älteren Menschen ist die Wahrscheinlichkeit höher, sich bei einem Sturz schwer oder tödlich zu verletzen als bei jüngeren. Menschen, die 2023 auf einem Pedelec verletzt oder getötet wurden, waren im Durchschnitt 53 Jahre alt und damit trotz des sinkenden Durchschnittsalters älter als Verunglückte auf einem nichtmotorisierten Fahrrad (Durchschnitt: 42 Jahre).

Portraitfoto von Kirstin Zeidler
Kirstin Zeidler leitet die Unfallforschung der Versicherer seit 2024.

Das bestätigt auch UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Pedelecs seien nicht grundsätzlich gefährlicher, „aber sie stellen höhere Anforderungen an die Fahrenden.“ Sie rät deshalb, den sicheren Umgang mit Pedelecs bewusst zu üben, beispielsweise in speziellen Fahrsicherheitstrainings. Dennoch belegt die Untersuchung der UDV klar: Unabhängig von der Motorisierung des Zweirads sind die meisten Alleinunfälle auch auf Fahrfehler der Betroffenen zurückzuführen.

Warum Radfahrende im Herbst und Winter stürzen

Obwohl die meisten Alleinunfälle im Sommer geschehen, geben die UDV-Befragten an, dass das Sturzrisiko im Herbst und Winter besonders hoch sei. Fast der Hälfte wurde rutschiges Laub, Nässe oder Glätte bereits zum Verhängnis. Radfahrende sollten in der dunklen Jahreszeit deshalb besonders vorausschauend fahren.

UDV-Leiterin Kirstin Zeidler sieht dabei auch die Kommunen in der Verantwortung: „Entscheidend für weniger Unfälle sind gut befahrbare Radwege. Kommunen sind in der Pflicht, diese instand zu halten, von Laub und Schnee zu befreien.“ Doch auch wenn die Bedingungen nicht ideal sind, können Radfahrende vieles tun, um Alleinunfälle zu vermeiden.

Was Sie selbst tun können, um Alleinunfälle mit dem Fahrrad zu vermeiden

  • Geschwindigkeit anpassen: Um jederzeit die Kontrolle über das Rad zu behalten und Stürze zu vermeiden, sollten Radfahrende ihre Geschwindigkeit den Straßen- und Wetterbedingungen anpassen.

  • Nach Drogen- oder Alkoholkonsum nicht Fahren: Jeder sechste polizeilich erfasste Alleinunfall ist ein Alkoholunfall.

  • Bahnschienen sicher überqueren: Etwa jeder 
    16. Alleinunfall geschieht, weil Radfahrende in Straßenbahnschienen stecken bleiben. Sie sollten deshalb möglichst weit entfernt von den Schienen fahren und diese idealerweise in einem 90-Grad-Winkel überqueren.

  • Zur Not auf die Fahrbahn ausweichen: Ist ein benutzungspflichtiger Radweg aufgrund von Schnee oder Eis unbefahrbar, vereist oder rutschig, gilt er als unzumutbar. In diesem Fall dürfen Radfahrende dieFahrbahn nutzen. Zuvor sollten sie abwägen, wie sicher der Wechsel auf die Fahrbahn ist.

  • Aufmerksam und konzentriert fahren: 16,8 % der Befragten gaben an, dass Ablenkung und Unaufmerksamkeit Faktoren bei ihren Alleinunfällen waren.

  • Fahrten bei schlechtem Wetter überdenken: Werden Radwege und Straßen durch Schnee, Eis oder Laub zur potenziellen Rutschbahn, kann es sicherer sein, das Rad stehen zu lassen.

  • Sich mit dem Fahrrad oder Pedelec vertraut machen und üben: Fahrtrainings helfen, das Rad besser zu kontrollieren. Das gilt besonders bei den schweren und stark beschleunigenden Pedelecs.

  • Verkehrssicherheits-Check: Das Fahrrad regelmäßig auf Sicherheitsmängel überprüfen oder überprüfen lassen und auf gute Fahrradbeleuchtung achten, um gefährliche Stellen rechtzeitig zu entdecken.

Mehr Achtung auch von anderen Verkehrsteilnehmenden

Aber auch die anderen Verkehrsteilnehmenden sind gefordert: Insbesondere wer mit dem Auto, Lkw oder auf dem Motorrad unterwegs ist, sollte vorausschauend fahren, um auf stürzende Radfahrende rechtzeitig reagieren zu können. Gerade im Herbst und Winter können so alle dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Sichere Radwege, verkehrssichere Fahrräder und vorausschauendes Fahren vermeiden viele Fahrradunfälle.

Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV)

Drei Faktoren entscheiden über die Sicherheit: eine sichere Infrastruktur, Helm tragen und defensives und vorausschauendes Fahren, sagt Kirstin Zeidler.

Bilder: Shutterstock, www.gdv.de

Passend dazu