Urlaubscheck fürs Auto
So starten Sie sicher Ihre Reise
Vom Reifendruck bis zur Beladung: Bevor Sie eine lange Autofahrt antreten, sollten Sie Ihren Wagen gründlich prüfen. Unsere praktische Checkliste zum Ausdrucken und Abhaken hilft Ihnen dabei, an alles Wichtige zu denken. So reisen Sie entspannt und sicher.

Alle packen ihre Koffer, gleich geht es los: Auch wenn die Euphorie vor einer langen Autofahrt groß ist, sollten Sie einen Moment innehalten und Ihren Pkw genau prüfen. Ein ausgiebiger Check vermeidet Pannen und senkt das Unfallrisiko.
Reifendruck prüfen und Profiltiefe messen
Bevor das Gepäck im Fahrzeug landet, steht der Technikcheck an. Beginnen Sie mit den Rädern, genauer mit dem Prüfen des Reifendrucks. Oft hört man den Rat, den Druck bei voller Beladung um 0,5 bar zu erhöhen. Philipp Mathey, Pressesprecher beim Automobil-Club Verkehr (ACV), rät jedoch zu mehr Genauigkeit: „Der genannte Wert von rund 0,5 bar kann eine Orientierung sein, ist aber nicht pauschal auf jedes Fahrzeug übertragbar. Entscheidend ist, den Reifendruck an die tatsächliche Beladung anzupassen.“ Ausschlaggebend sind die Angaben des Fahrzeugherstellers. Wer den Druck nicht angleicht, riskiert, dass sich die Reifen stark erhitzen. Dies führt zu schnellem Verschleiß und kann im schlimmsten Fall Reifenplatzer verursachen. Ein weiterer Nachteil: Der gestiegene Rollwiderstand erhöht den Verbrauch.

Für den Ernstfall: Erste-Hilfe-Ausrüstung im Auto
Auch wenn niemand daran denken möchte: Ein Unfall oder eine Panne kann jederzeit passieren. Damit Sie darauf vorbereitet sind, sollten Sie die Erste-Hilfe-Ausrüstung vor der Abfahrt prüfen.
Erste-Hilfe-Ausrüstung prüfen
Verbandskasten: Erfüllt er die Norm DIN 13164? Ist er vollständig (mittlerweile gehören zwei medizinische Gesichtsmasken zur Pflichtausstattung)? Hat er das Verfallsdatum noch nicht überschritten? Griffbereit verstauen, nicht unter dem Gepäck. Übrigens: Ältere Verbandskästen, die nicht über Masken verfügen, aber noch gültig sind, dürfen Sie mitführen. Ein Austausch ist keine Pflicht.
Warndreieck: Das Mitführen ist wie beim Verbandskasten gesetzlich vorgeschrieben.
Warnweste: Mindestens eine müssen Sie an Bord haben (DIN EN ISO 20 471). Empfehlenswert ist, dass für alle Mitfahrenden eine Weste vorhanden ist, damit Erwachsene und auch Kinder bei einer Panne nach Verlassen des Fahrzeugs sichtbar sind und sie nicht zu Schaden kommen. Bitte im Fahrgastraum verstauen, damit sie noch vor dem Aussteigen angelegt werden können.
Zur Grundausstattung jeder Urlaubsfahrt gehören auch die Reisepapiere und Fahrzeugunterlagen.
Dokumente für die Reise
Führerschein und ggf. internationaler Führerschein
Zulassungsbescheinigung Teil I
Schriftliche Vollmacht zur Fahrzeugnutzung – besonders wichtig im Ausland, wenn der Autofahrer oder die Autofahrerin nicht Halter oder Halterin des Fahrzeugs ist
Personalausweis oder Reisepass
Visum bei Bedarf
Europäischer Unfallbericht
Internationale Versicherungskarte (früher „Grüne Karte“)
Krankenkassenkarte und bei Bedarf Auslandskrankenschein
Impfpass
Auch die eigene Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie Versorgung sollte vor einer langen Autoreise in einem Selbstcheck überprüft werden.
Selbstcheck
Fahrtüchtigkeit: Bin ich nüchtern? Bin ich ausgeruht und wach?
Konzentration: Bin ich mental konzentriert auf die bevorstehende Autoreise oder bin ich im Kopf mit anderen Dingen beschäftigt?
Medikamente: Muss ich Medikamente nehmen, die meine Fahrfähigkeiten beeinflussen können? Kann ich sichergehen, dass ich den Straßenverkehr trotz Medikamenteneinnahme nicht gefährde?
Planung: Habe ich richtig eingeschätzt, wie lang ich fahren kann, und ausreichend Pausenzeiten eingeplant
Versorgung: Habe ich ausreichend Verpflegung und Getränke für die Pausen dabei?
Das Gepäck richtig verstauen
Auch bei der Beladung ist Ihre Aufmerksamkeit gefragt. Achten Sie auf zwei Aspekte: Gewichtsverteilung und Sicherung. ACV-Pressesprecher Philipp Mathey erklärt: „Schwere Gepäckstücke gehören möglichst nach unten und direkt hinter die Rücksitzlehne. Dadurch bleiben der Fahrzeugschwerpunkt niedrig und das Fahrverhalten stabil.“ Leichte Gegenstände verstauen und fixieren Sie darüber – etwa mit Spanngurten, Gepäcknetzen, rutschfesten Matten oder mit stabilen Boxen. Zudem betont der Experte, wie wichtig eine aufrechte Rücksitzlehne ist. Sie dient als schützende Barriere zwischen dem Gepäckraum und den Mitfahrenden.
Klare Empfehlungen gibt der ACV-Experte auch bei der Dachbox: „Hinein gehören ausschließlich leichte und sperrige Gegenstände wie Kleidung, Schlafsäcke oder Zelte – schwere Gepäckstücke müssen in den Kofferraum.“ Verteilen Sie die Ladung in der Dachbox möglichst gleichmäßig, sichern Sie diese gegen Verrutschen und schließen Sie den Deckel ohne Spannung. Zu beachten sind ebenfalls das zulässige Gesamtgewicht des Pkw sowie die vorgeschriebene Dach- und Stützlast. Diese Grenzwerte dürfen Sie keinesfalls überschreiten. „Vor der Fahrt“, so der ACV-Pressesprecher weiter, „sollten Reisende sämtliche Befestigungen kontrollieren.“
Grundsätzlich gilt beim Packen: Vermeiden Sie unnötigen Ballast. „Jedes zusätzliche Kilogramm erhöht den Energiebedarf des Fahrzeugs. Dachboxen sowie Ski- oder Fahrradträger können allein bis zu 20 Kilogramm wiegen“, so Mathey. Viele unterschätzen, wie stark schwere Lasten das Fahrverhalten verändern. Unter anderem kann eine hohe oder falsch verteilte Beladung den Bremsweg verlängern. Hinzu kommt, dass auf dem Dach montierte Transportsysteme die Seitenwindempfindlichkeit und den Luftwiderstand erhöhen. Der ACV rät deshalb, die Geschwindigkeit zu reduzieren und in Kurven oder bei starkem Seitenwind zurückhaltender zu fahren. Nach der Reise nicht vergessen: Ungenutzte Dachboxen und Co. abmontieren.
Ladungssicherung leicht gemacht
Kofferraum: Platzieren Sie schwere Gegenstände unten und leichte oben. Sichern Sie alles mit Spanngurten, Gepäcknetzen, Antirutschmatten oder stabilen Boxen. Lassen Sie die Rücksitzlehne aufrecht.
Dachbox: Beladen Sie diese ausschließlich mit leichten Gegenständen. Verteilen Sie die Lasten gleichmäßig und schließen Sie den Deckel spannungsfrei.
Gewichtskontrolle: Prüfen Sie vor dem Start, ob Sie das zulässige Gesamtgewicht sowie die Dach- und Stützlast einhalten.
Nachbereitung: Montieren Sie Dachboxen und Trägersysteme nach der Reise direkt ab.
Reisen mit Nachwuchs sind kein Kinderspiel
Die Stimmung auf den Rücksitzen spielt eine entscheidende Rolle, gerade auf langen Autofahrten. Zufriedene Kinder lenken weniger ab. Sorgen Sie deshalb für Beschäftigung. Wichtig ist jedoch: Wenn eine erwachsene Begleitperson mitfährt, sollte sie sich während der Fahrt um den Nachwuchs kümmern. Wer am Steuer sitzt, muss sich voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren. Denken Sie an Rücksitztaschen für das Spielzeug, damit es nicht lose im Fahrzeug liegt.
Reisen mit Haustieren
Auch Haustiere müssen bei der Fahrt gesichert werden und dürfen nicht lose im Fahrzeug transportiert werden. Spezielle Transportboxen für Hunde oder Katzen oder Sicherheitsgeschirr für Hunde sind ideal.
Planen Sie auf langen Autoreisen feste Pausen ein. „Sie sind ein fester Bestandteil einer sicheren Reiseplanung und sollten nicht als vermeidbarer Zeitverlust betrachtet werden“, sagt Mathey. Er empfiehlt, bei längeren Fahrten spätestens nach etwa zwei Stunden zu rasten. Mit Babys seien regelmäßige Unterbrechungen besonders wichtig, da die halbsitzende Position in der Babyschale Rücken und Atmung belasten kann. Je kleiner das Kind, desto häufiger sollten Sie Pausen machen. Auch schlafende Kinder seien laut ACV kein Grund, ohne Stopp weiterzufahren. Denn auch die Person am Steuer braucht Erholung. Sinnvoll sei es, Rastplätze bereits vor der Abfahrt auszuwählen und die erste Pause als Zwischenziel in die Navigation einzugeben. So sinke die Versuchung, einen Halt aus Zeitdruck hinauszuzögern, erläutert Mathey.
Autoreise mit Kindern: Das ist wichtig
Verpflegung: milde Snacks wie Brot, Cracker, Salzgebäck oder Obst mitnehmen.
Kindersitz: auf Passung von Alter und Gewicht achten sowie auf korrekte Montage. Darauf achten, dass Kindersitze der Norm UN Reg. 129 oder UN ECE 44/03 oder 44/04 entsprechen.
Unterhaltung: Hörstücke, Musik und Spiele. Letztere sollten die Aufmerksamkeit der Kinder nach draußen lenken – etwa Kennzeichenraten oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Klima: Rollos für die hinteren Fenster reduzieren die Sonneneinstrahlung. Klimaanlage an warmen Sommertagen einschalten.
Zwischenstopps: mindestens alle zwei Stunden eine Pause machen. Zwischenziele ins Navigationssystem eingeben, um die Rast nicht hinauszuzögern.
Ein wichtiger Hinweis betrifft Kinder, die zu Reiseübelkeit neigen: Besser sei es, wenn Kinder nach vorne auf die Straße oder weit in die Ferne schauen, so ACV-Pressesprecher Philipp Mathey. Auf der Rückbank könne dafür der mittlere Sitzplatz günstiger sein als ein Platz am Seitenfenster – vorausgesetzt, der geeignete Kindersitz lässt sich dort sicher und entsprechend den Herstellerangaben befestigen.
Fünf Tipps: Was tun bei Reiseübelkeit?
Handy, Tablet oder Buch weglegen.
Den Kopf möglichst ruhig halten.
Für frische Luft sorgen.
Die Fahrt unterbrechen.
Vor und während der Reise kleine, leicht verdauliche Snacks statt schwere und fettige Mahlzeiten reichen. Sowohl ein voller als auch ein leerer Magen verstärken Beschwerden.
Panne auf der Autobahn – was nun?
Bestens vorbereitet – und dennoch kommt es zu einer Panne? In diesem Fall ist richtiges Reagieren wichtig.
Verhalten bei einer Panne
Ruhe bewahren, das Fahrzeug in einer Pannenbucht, auf dem Seitenstreifen bzw. weit rechts abstellen und die Warnblinkanlage einschalten. Bei Dunkelheit zusätzlich das Standlicht anmachen. Räder nach rechts einschlagen, um bei einem möglichen Auffahrunfall nicht auf die Fahrbahn zu gelangen.
Warnweste anziehen – noch bevor Sie aussteigen.
Auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen und sich hinter die Leitplanke oder an einen anderen sicheren Ort begeben. Die Fahrbahn keinesfalls überqueren.
Warndreieck aufstellen – auf Autobahnen mindestens
150 Meter entfernt vom Pkw. Ist dieser hinter einer Kurve oder Kuppe liegengeblieben, das Dreieck vor diesen Passagen platzieren, damit andere Kfz-Führende früh gewarnt sind. Wichtig: Nur aufstellen, wenn es niemanden gefährdet.Bei einer Panne Hilfe rufen: Automobilclub oder Pannendienst verständigen (Standort, Fahrzeug, Modell, Farbe angeben). Behindern Fahrzeugteile oder verlorene Ladung den Verkehr, zusätzlich die Polizei informieren.
Bei einem Unfall: Falls es Verletzte gibt oder eine andere akute Notlage auftritt, wählen Sie den europaweiten Notruf 112. Leisten Sie Erste Hilfe, ohne sich selbst zu gefährden. Jede Art der Unterstützung ist sinnvoll.
Da gerade zur Urlaubszeit viele Staus aufkommen, denken Sie immer an eines: Wenn auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen in Ihrer Fahrtrichtung andere Kfz mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sind oder sogar stehen, müssen Sie sofort eine Rettungsgasse bilden. Diese liegt immer zwischen dem äußersten linken und dem bzw. den unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen.
Ihre Checkliste für die Reise: Jetzt herunterladen!
Bilder: Shutterstock, Philipp Mathey, Automobil-Club Verkehr


